Schreiben fürs Web Teil I
Claus Wagner am 18. Juni 2008 um 13:18
Content Usability – ein neues Schlagwort, wenn es darum geht, im Netz verstanden zu werden. Das A und O einer guten Content Usability, also einer guten Rezeption (Aufnahme) der angebotenen Inhalte, ist ein webgerechter Text. Gibt es da so große Unterschiede? Große nicht, aber sehr, sehr feine.
Web, Print & TV – die Unterschiede:
Wo liegen denn die Unterschiede zwischen Web, Print und TV Informationen? Sie liegen in der Art und Weise der Nutzung der jeweiligen Medien.
TV Nutzung: Das klassische Format einer TV-Sendung ist eine lineare Erzahlweise. Eine Geschichte beginnt und endet, der Zuschauer hat keine Möglichkeiten in das Geschehen einzugreifen. Langweilige, nichtssagende Szenen muss er anschauen, Informationen, die er bereits andernorts erhalten hat, sind nicht ausblendbar, Inhalte können von ihm nicht auf andere Medien wie bspw. Papier übertragen werden (Zumindest nicht mit einfachen Mitteln). Wer TV-Sendungen anschaut, möchte unterhalten und informiert werden. Die Unterhaltung und die Information ist dabei schon in verdaulichen Happen vorbereitet und wird in der Menüreihenfolge serviert, welche die Redaktion für die Zuschauer ausgedacht hat.
Print Nutzung: Gedruckte Informationsquellen sind ebenfalls lineare, von einem Anfang und einem Ende beeinflusste Medien. Auch hier wird ähnlich der TV-Sendung eine Erzählweise angeboten, die dem Leser nur die Möglichkeit gibt, die Zusammenhänge zu erfassen, wenn er von Anfang bis Ende liest. Ihm bleibt zwar hier ebenfalls die Wahl, einige Kapitel vorzuziehen, das Buch oder die Zeitschrift von hinten nach vorne zu lesen, das Heft in der Mitte aufzuschlagen. Doch in der kleinsten Einheit, der Story selbst, bleibt ihm wiederum nur die Wahl komplett zu lesen.
Die Konkurrenz der Information ist meist auf das Heft, das Buch begrenzt und der Leser wird selten mitten in der Informationssuche das Buch, die Zeitschrift wechseln. Es sei denn, er ist in einer Bibliothek und kann auf eine Unmenge an Büchern zurückgreifen.
Web Nutzung: Wer im Netz unterwegs ist, ist auf der Suche nach Information. Für ihn ist das Netz das Medium und nicht unbedingt die einzelne Seite, welche die Information zur Verfügung stellt. Ein Benutzer scannt Inhalte von Webseiten und liest diese nicht. Er schickt sein Auge auf die Jagd nach Informationsstücken, nach Reiz- und Schlüsselworten. Er greift in das Geschehen ein und hat dabei ein mächtiges und schnelles Werkzeug: Die Maus. Er klickt sich in einer anarchistischen Weise durch die Informationen, in schneller Folge und in einem beispiellosen komplexen aber fein aufeinander abgestimmten Spiel zwischen Auge, Gehirn und dem Zeigefinger, der auf der Maustaste liegt. Er bestimmt die Reihenfolge, in der er die Informationen haben will, er bestimmt, wann er den Informationsanbieter wechselt.
Klar, diese Typisierungen sind oberflächlich, können aber wissenschaftlich durch die verschiedensten Nutungsanalysen bestätigt werden. Wichtiges Fazit ist aber: Web ist anders!
Und: Das Web ist anders, der Blog ist anders, das Wiki ist anders, der Podcast ist anders, der Videocast ist anders…
Erst wer den eigenen Charakter des jeweiligen Mediums erkennt, kann die Vorteile ausnutzen und Content gezielter erfassbar und konsumierbar machen.
Vielfach stelle ich fest, dass bei Webprojekten – gerade dann wenn es um begleitende Seiten von Druckerzeugnissen geht – dem Erstellen von Online Inhalten wenig bis gar keine Aufmerksamkeit geschenkt wird. Sondern darauf gebaut wird, Inhalte zu übernehmen.
Texten fürs Web, aber wie?
Die einfachste Grundregel lautet: Kurz und präzise.
Der Internetnutzer ist auf der Jagd, der Jagd nach Informationen, die er schnell, dringend braucht. Ballast in Form von aufgeblähten, komplizierten Texten ist ihm bei seiner Jagd nur hinterlich.
Kurz und präzise bedeutet aktiv und einfache Sätze
Kurze Sätze sind schnell zu lesen. Aktive Sätze sind lebendig und schnell zu begreifen.
Mehr Tipps zum Schreiben fürs Web im Teil II…

am 19. Juni 2008 um 13:37 Uhr.
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