Unsere Agentur macht das schon… wirklich?

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Claus Wagner am 25. Juli 2008 um 12:45

100agentur.pngViele Anbieter von Internetanwendungen bedienen sich zur Realisierung von Projekten einer Agentur. Das ist nicht nur “normal” sondern sogar wichtig und richtig. Denn diese Agenturen bündeln das Wissen um Programmierung und Technik und sind auf dem Laufenden, was die neuesten Entwicklungen im Webumfeld anbelangt. Ein Mehrwert, der selten und nur sehr schwer ins eigene Unternehmen geholt werden kann. Die Arbeitsteilung zwischen Business und Mediengestaltung bzw. -programmierung ermöglicht es, dass sich alle Beteiligten auf das konzentrieren, was sie am besten können.

Wenn es um die Prüfung der Anwendung auf Usability oder gar um die Einbindung des User Centered Designs geht, wird diese Arbeitsteilung oft nicht so ernst genommen. “Unsere Agentur programmiert schon usable…” – Wirklich?

Perspektiven: Anbieter – Nutzer

Wer als Agentur für einen Auftraggeber Webanwendungen produziert ist zwangsläufig eng und tief in das Projekt eingebunden. Als Ausführender kennen die beteiligten Screendesigner, Programmierer und Projektleiter die Ziele der Webseiten. Sie kennen die Gründe, weshalb manche Dinge so gemacht wurden, wie sie nunmal gemacht wurden. Sie kennen die Anwendung in- und auswendig, wissen, welcher Button gedrückt, welche Eingaben gemacht werden müssen, um an das gewünschte Ziel zu kommen. Wie gesagt: An die Ziele, die der Auftraggeber vorgegeben hat.

Kurz: Das Team sieht die Anwendung aus Anbietersicht. Sie ist voreingenommen von den geplanten Wegen, die ein Benutzer gehen soll, um seine Ziele zu erreichen. Eben die Wege, die der Anbieter dafür erdacht hat. Im einzelnen sind das beispielsweise: Navigationen, Benennungen von Aktionen, Platzierung von Eingabefeldern, Fachbegriffe, etc. die aus dieser Perspektive gewählt und umgesetzt werden.

Usability: Von Anfang an miteingekauft

Viele Agenturen schreiben sich auf die Fahnen, bei der Realisierung “Usability” zu berücksichtigen. Das ist auch nur richtig so. Eine von Anfang an durchdachte Usability, gepaart mit Wissen der User Experience, bringt die Anwendung auf den richtigen Pfad. Fehler, die allgemein bekannt sind, können so von Anfang an vermieden werden, Erfahrungen fließen in die aktuelle Arbeit ein. Aber ist dadurch das Resultat auch wirklich automatisch “Usability geprüft”?

Usability wird an der Zielgruppe gemessen

Usability ist keine Programmiersprache, die es gilt zu beherrschen und einzuhalten. Usability wird an der Zielgruppe gemessen, welche die spätere Anwendung nutzen soll. Sie ist unabdingbar mit dem Können, dem Wissen, den Zielen und Wünschen der anvisierten Nutzerschaft verknüpft. Hinzu kommen noch mögliche andere Eventualitäten, die ebenfalls berücksichtigt werden müssen.

Diese Eigenschaften unterscheidet die Nutzerschaft grundlegend vom Hersteller, also der Agentur.

Perspektive: Nutzer

Der Nutzer kennt nicht die Hintergründe, warum manche Dinge eben so gemacht wurden, wie sie sind. Für ihn zählt schlicht der Weg zu seinem Ziel. Die Hintergründe interessieren ihn nicht. Somit geht er ganz frei und unvorbelastet an die Anwendung, mit dem Zweck sein Ziel zu erreichen.

Perspektive: Anbieter

Wer schon eigene Webseiten programmiert oder erstellt hat, der weiß, dass immer auch Herzblut daran hängt. Die Dinge sind mit Bedacht so gemacht worden, wie sie gemacht wurden. Da wurden Stunden mit Designer über Entwürfen gebrütet, Diskussionen mit Programmierern geführt, heftige Gefechte mit dem Marketing geführt. Da weiß man, was dahinter steckt, da spürt man bei jeder Seite die Erinnerung an die Erstehung.

Klar, dass sich die Anwendung hervorragend bedienen lässt, wenn der “Vater der Anwendung” über das Interface klickt. Da sitzt der Klick und jedes Ziel wird erreicht.

Usabilitytests von unvoreigenommenen Dritten

Um wirklich gute und relevante Daten zu erhalten, müssen Tests unvoreingenommen sein. Das heißt: Wer die Anwendung nutzt hat seine Ziele zu verfolgen, ungeachtet der Hintergründe. Selbst der Testleiter, bspw. der Interviewer bei einem Probandentest, sollte mit der Anwendung selbst nicht emotional verbunden sein. Denn sonst könnte er auf Grund seiner Fragen das Ergebnis verfälschen und manipulieren.

Die Arbeitsteilung ist also nicht nur zwischen Anbieter und Hersteller ist um einen weiteren Teil zu erweitern. Wenn zusätzlich der Bereich Usabilitytesting mit hinzugefügt wird, kann sich jeder im Sinne einer optimalen Anwendungen, auf seine Stärken konzentrieren.

Eine Absage an Agenturen mit Usability Know-how? Nein, natürlich nicht. Im Gegenteil. Usability Know-how ist notwendig. Und jede Agentur, die auf sich hält, wird entweder eine eigene, unabhängige Usabilitytesting Abteilung haben oder nichts dagegen einzuwenden haben, wenn Dritte ihre Anwendung prüfen. Profitieren können nur alle Beteiligten.

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