Wenn Sie die Webseite nerven…

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Claus Wagner am 1. August 2008 um 11:29

jameda.pngJa, Sie haben richtig gelesen: Heute wird der Spieß umgedreht. Was passiert, wenn Sie die Webseite nerven? Das Web 2.0 mit seinen vielen Entwicklungen hat auch hier eine Lösung gefunden und Betreiber unterschiedlichster Seiten setzen diese “Technologie” ein. Ob es die Usability erhöht, bleibt zu klären – von jedem Benutzer selbst.

Immer öfter trifft man auf persönliche Präsentatoren, die per Flashfilm auf die Seiten projeziert werden. Die freundliche Frau oder der freundliche Mann weißt dabei auf die möglichen Funktionen der Seite hin. Mit Ton versteht sich. Eine Variante habe ich auf www.jameda.de gefunden (und es gibt noch viele mehr, aber exemplarisch habe ich dieses Beispiel genommen).

Die Sprechstundenhilfe hinterm virtuellen Tresen

Ruft man die Seite www.jameda.de auf erscheint, sofern das Flash-PlugIn installiert ist, eine Sprechstundenhilfe. Nachdem sie sich die Kleidung und die Frisur zurecht gezupft hat, schaut sie recht unbeteiligt umher. Um ihre scheinbare Langeweile zu vertreiben, wirft sie mal ein I-Pünktchen ins Logo oder holt eine Linie aus dem Webseiten Himmel und streicht diese liebevoll am passenden Platz zurecht. Nur um dann mit etwas Vehements auf die Suchmaske zu deuten. Danach schaut sie wieder, etwas enttäuscht über den passiven Benutzer, gelangweilt nach links und rechts, tippelt mit den Fingern auf der Theke oder zuckt mit den Schultern. Dann klingelt mal das Handy und sie spricht mit einem bayrischen Dialekt (der aber mit hochdeutschen Untertiteln versehen wird) mit ihrer Mutter.

Hin und wieder hört man durch die PC-Lautsprecher ein Seufzen. Je länger der Benutzer nichts mit der Seite anfängt, desto gelangweiligt, ja genervt, wirkt die Figur.

Folgende Stimmungen habe ich für Sie eingefangen:

Stimmung 1: Begrüßung

stimmung_1.png

Stimmung 2: Warum tut er nichts?

warumtuternix.png

Stimmung 3: “Da soll’nse klicken…”

damusstduklicken.png

Stimmung 4: Abgelenkt

abgelenkt.png

Stimmung 5: “Oh Mann, so klick doch…”

soklickdoch.png

Stimmung 6: Mutter!!!

mutter.png

Ansich ist diese multimedia Komponente recht lustig. Wenn man sich die Zeit nimmt, alle Szenen mal anzuschauen. Dazu muss man einfach nichts tun – und sagen wir mal 5 bis 10 Minuten vor der geöffneten Seite verharren.

Aber: Wenn das Flash-PlugIn nicht installiert ist, dann sieht die Seite so aus.

ohneflashhome.pngEs fehlen wichtige Links. Beispielsweise ist ohne Flash nicht erreichbar…

  • “Wer wir sind…”
  • “Was wir wollen…”
  • “Was Sie davon haben…”
  • Home
  • über Jameda
  • Blog
  • Hilfe/FAQ
  • Presse
  • Fachkreise

Ok, es bleibt dem Betreiber überlassen, welche Inhalte er wie zur Verfügung stellt. Aber gerade der Sinn und Zweck der Seite wird m.E. so unnötig verheimlicht. Auch eine Hilfe gerade dann nicht anzubieten, wenn es der Besucher am dringendsten benötigt ist, sagen wir mal, nicht optimal gelöst.

Auch wenn das PlugIn installiert ist, so bleiben doch Fragen offen:

1) Was bringt der Flash-Film? Einzig ein Mittel zur Erhöhung der User-Experience? Symphatieträger? Parallele zur realen Welt und Adaption einer “(Arzt-)Praxis-Situation”?

2) Wenn die erste Frage mit “Ja” beantwortet wird, stellt sich die Frage, wie Sie als Patient, Kunde auf ein solches Gegenüber reagieren würden, die Sie weder direkt anspricht, ja sogar noch von Ihrem Besuch gelangweilt ist. Und dies mit Mimik, Gestik und sogar lautstark mit Seufzen und Summen quittiert? Ein Lingubot hätte den Vorteil, dass man wenigstens eine Frage stellen könnte. Die dann mehr oder weniger beantwortet wird.

Fazit: Ob ein Präsentator, ein Lingubot oder ähnliches eingesetzt werden sollte, muss von Fall zu Fall entschieden werden. Und ja, es gibt gerade für Lingubots interessante Einsatzgebiete und ja, sie werden von Besuchern genutzt und auch ja, sie erhöhen von Fall zu Fall die User Experience. Dennoch muss beachtet werden, dass mit dieser Komponente ein wichtiger Faktor der Kommunikation Einzug auf die Homepage hält: Zum Kommunikationsmittel Text gesellen sich jetzt die Komponenten Mimik, Gestik oder schlicht: Die Körpersprache. Es wird auf allen Kanälen der menschlichen Kommunikation gesendet. Das bedeutet höhere Sensibilität. Denn verschränkte Arme, rollende Augen, hörbares Seufzen, demonstratives Weggucken sind eindeutige, negative Zeichen der Körpersprache. Und sie können sich dementsprechend auswirken. Aber, sie sind auch witzig. Ja, das experimentieren mit solchen Seiten macht Spaß. Einfach mal abwarten und gucken, wie menschlich das Gegenüber reagiert. Mir hat das bei dieser Seite auch einen Riesenspaß gemacht. Allerdings sollte der Unmut nicht zu früh einsetzen. Eine freundliche Begrüßung, wie im realen Leben, bspw. mit einem Lächeln und “Was kann ich für Sie tun?” sind eher die richtigen Signale.

Hinweis: mit einem kleinen Icon, welches per Tooltipp verrät, dass ein Video startet, kann die Sprechstundenhilfe angesprochen werden. Sie erklärt dann, wie das Suchformular funktionert. Hätten Sie es auf Anhieb gefunden? ;o)

Zum Thema “Arztbewertungen” hat die Stuttgarter Agentur 5gestalten einen interessanten Blogbeitrag veröffentlicht, den es sich lohnt zu lesen.

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Ein Kommentar zu “Wenn Sie die Webseite nerven…”

  1. jörg

    Hallo,
    das Interessante ist, dass die nette Dame nur bei der Startseite (Home) erst mal gar nichts tut; bei den anderen Tabs / Reitern ist auch der “Tooltip” “Video Starten” da und die Dame erzählt auch was. Ist irgendwie so, wie wenn ich in eine Arztpraxis komme, nicht begrüsst werde, aber dann im Sprechzimmer angesprochen werde. Ansonsten finde ich die Idee nicht schlecht, wobei eine “nicht Film Version” unbedingt sein muss…

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