User Experience ist nicht gleich Usability
Claus Wagner am 16. Oktober 2008 um 20:00
Als Website-Entwickler hat man es nicht leicht. Kaum hat der Begriff “Usability” Form und Inhalt angenommen, Einzug in die laufenden Projekte gehalten, wird man schon mit den nächsten Anforderungen malträtiert. Jetzt müssen Seiten auch noch barrierefrei sein. Und just, wenn man sich dem Begriff der Barrierefreiheit auf leisen Sohlen genähert hat, muss auf der Website auch noch die UX beachtet werden: Die User Experience. Das sind ja gleich drei Wünsche auf einmal? Geht denn das?
User Experience – das Nutzungserleben
Haben Sie gewisse Vorlieben? Ich meine diese Frage eher auf Produkte bezogen. Produkte, die Sie einfach gerne nutzen. Hand aufs Herz, so was gibt es. Es fängt oft im Kleinen an. Ich kenne einige Menschen, die eine unbeugsame Vorliebe für ein bestimmtes Schreibgerät haben. Ohne einen bestimmten Kugelschreiber einer bestimmten Marke gehen sie nicht aus dem Haus. Das Gerät schreibt wie jedes andere, lässt sich genauso bedienen und hat auch keine andere Form. Aber die Vorliebe gilt diesem Stift. Warum nur? Es liegt an der User Experience. Einer Art des Erlebens. Der Stift lässt das Schreiben in einer Weise erleben, dass dem Benutzer eine ganz eigene Art an Wohlgefühl vermittelt. Ist es die federleichte Kugel, die bestimmte Zusammensetzung der Tinte, das warme oder kühlende Gefühl des Schafftes, eine bestimmtes Erinnerung, eine Überzeugung, ein Status?
Schon in diesem Vergleich wird eines klar: User Experience ist nicht gleich Usability. Die Kugelschreiber lassen sich allesamt effektiv, effizient und zufriedenstellend bedienen. Ohne Frust.
Wie entsteht eine positive User Experience?
Versuchen wir es mit einer mathematischen Gleichung.
Benutzbarkeit + Nützlichkeit + Emotion/Überzeugung = positive Erfahrung
Nehmen wir die beiden Positionen “Benutzbarkeit” und “Nützlichkeit” als gegeben und leicht nachvollziehbar an. So bleibt die genauere Definition der “Emotion/Überzeugung”.
Mit Emotionen sind in dieser Gleichung Sympathien gemeint, die einem bestimmten Produkt entgegen gebracht werden (können). Diese Sympathien werden auf vielen Ebenen getragen. Es ist die Marke, der Stellenwert des Herstellers, der Wert des Produktes in der Gesellschaft und letztlich der Wert, den das Produkt auf seinen Käufer überträgt. Nicht so sehr der rationale Preis-Leistungs Wert, der unemotional errechnet werden kann.
Hinzu kommt die Überzeugung: Die Überzeugung zum einen, etwas gekauft zu haben, was man unbedingt braucht, eben um die oben genannten Werte zu erreichen oder zu erhalten. Und auf der anderen Seite ist die Überzeugung der Vorgang des “vom Produkt überzeugt seins”. Und das beginnt schon vor dem Kauf.
Praktisches Beispiel: Sie kennen doch bestimmt Werbeprospekte aus dem Briefkasten? Nehmen Sie ein Exemplar vom preisgünstigen Discounter um die Ecke. Legen Sie nun eine Variante des Autohauses daneben, welches Ihnen die Vorzüge für sein neuestes Modell vermitteln möchte. Sehen Sie den Unterschied? Oder anders gefragt, spüren Sie den emotionalen Unterschied?
Dieses Beispiel funktioniert natürlich nur dann, wenn das beworbene Automobil von der Marke stammt, der Sie offen und sympathisch gegenüber stehen.
Wie funktioniert UX auf einer Website?
Es gibt leider keine Formel, nach der Sie vorgehen können, um eine positive UX zu erzeugen. Es ist eine vielschichtige, mehrdimensionierte Struktur.
Design und Layout, Präsentation und Ästhetik, Farbe und Form sind einige der maßgebenden Elemente, die eine UX tragen. Eine gelungene Markenkommunikation ist Basis für ein positives Nutzungserlebnis. Assoziationen von Produkt und Marke sind ausschlaggebend. Die Identifikation von Mensch und Produkt soll mit diesen Mitteln herbeigeführt werden.
Während die Usability beschreibt und prüft, ob die Funktionen nachvollziehbar und logisch für den Anwender sind, sind für die UX Design und Form der Element wichtiger Erfolgsfaktor.
Zusammenfassung:
User Experience besteht also aus den Komponenten:
Usability, Content, Interaktion, Wert und Überzeugung, Emotionen.

(6 Stimmen, Durchschnitt: 3.33 von maximal 4)
am 22. Oktober 2008 um 14:47 Uhr.
[...] In der Zwischenzeit ist mir UX immer häufiger untergekommen. Sie ist inzwischen nicht mehr aus meinem Arbeitsalltag wegzudenken. Darum freue ich mich auch immer, wenn ich bei anderen darüber lese. Wie zum Beispiel auch bei meinem früheren Kollegen Claus Wagner in seinem Blog The Art of Web Usability: User Experience ist nicht gleich Usability. [...]
am 19. November 2008 um 12:56 Uhr.
Dieser Artikel ist nett und gut beschrieben.
Er sagt deutlich, dass User Experience über die Usability hinaus gehen kann.
Eine gute Usability ist nicht gleich der alleinige Erfolgsfaktor bei der Nutzung einer Website
am 6. Februar 2009 um 14:25 Uhr.
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http://www.nutzerfreundlichkeit.de/allgemeines/usability-userexperience-ux-im-vergleich-stichwort-user-centered-design-ucd/
am 18. Juli 2010 um 13:26 Uhr.
[...] von dieser Argumentation sind weitere Gründe offensichtlich. Usability, User-Experience und auch Content Usability sind Qualitäten, die sich aus der Sicht der Anwender bilden. Ob diese [...]