Usability Tests? – Reiner Luxus…
Claus Wagner am 29. Oktober 2008 um 16:01
“Wir haben keine Zeit und kein Geld für Usabilitytests! Wir müssen fertig werden. Usabilitytest ist Luxus für große Unternehmen. Reiner Luxus. Nichts für uns.”, sprach’s und wendete sich wieder seiner Arbeit zu. Sind Usabilitytests wirklich Luxus? Oder gibt es noch andere Möglichkeiten?
Der Königsweg… und seine Abkürzungen, Schleichwege und Trampelpfade
Wie bei vielen Dingen gibt es auch bei Usabilitytests den Königsweg, der ungeachtet der Zeit und des Budgets Schritt für Schritt gegangen werden kann, um relevante Daten über die Benutzung der eigenen Webanwendung zu erhalten. Probanden, Labor, Videoaufzeichnungen, Interviews, Fragebogen und anonyme Bewertungen…. die ganz große Nummer.
Doch die Realität sieht anders aus: Das Betteln für das notwendige Budget für ein solches Projekt ist in den meisten Fällen aussichtslos. Geschweige denn, die notwendige Zeit im Projekt dafür zu erhalten.
Soll deshalb keine Prüfung der Usability stattfinden?
Kein Usabilitytest ist die schlechteste Entscheidung, die getroffen werden kann. Es gibt viele Möglichkeiten, trotz mangelndem Budget und Zeit, Einsichten in das Nutzerverhalten der Zielgruppe zu erhalten. Diese Methoden gehen zwar links und rechts vom Königsweg ab, ihre Daten und Rückschlüsse müssen deshalb aber nicht schlechter sein.
“Meine Frau sagt, es ist ganz easy und mein Sohn findets cremig!”
Doch vorsicht, nicht alles was als Usabilitytest getarnt ist, ist bei genauer Betrachtung auch wirklich einer. Viele Projektteams arbeiten nach den Erkenntnissen der Marktforschung, den Hinweisen aus dem Produktmanagement, den Erfahrungen des Teamchefs, dessen Gattin/deren Gatten oder gar Cousins, Sohn und Tocher. Doch all’ diesen Probandengruppen fehlt der Gesamt- und vor allem Anwenderblick. Hier ist die Gefahr eines Trugschlusses sehr hoch. Vor allem fehlen valide Daten, auf die aufgebaut werden kann.
Beobachten: Auge sei wachsam!
Wer sich mit Usability beschäftigt muss ein waches Auge, die Begabung einen besonderen Blick auf Personen zu haben, die Webseiten bedienen, die speziell die Anwendung benutzen sollen, die mitentwickelt. Diese Beobachtungen sind nicht auf ein Usabilitylabor beschränkt. Der Alltag hält genügend Situationen parat, diese Konstellationen zu beobachten.
Je nach Anwendung, die entwickelt wird, lässt sich eine kleine Gruppe an Anwendern zusammenstellen, die einfach beobachtet werden kann. Durch schlichtes Danebensitzen und beobachten. Wichtig hierbei ist allerdings, dass eben die Personen beobachtet werden, die zur anvisierten Zielgruppe passen. Das heißt, den 22jährigen Computerprofi zu beobachten, wie er eine Downloadseite benützt, die für eine Zielgruppe 60Plus gedacht ist, würde falsche Werte erbringen. Und zusätzlich wichtig: Nicht immer die gleiche Person beobachten.
Stylequides und Heuristiken
Es ist selten der Fall, dass eine Anwendung ganz neu und ohne sich in eine bereits bestehende Reihe von Anwendungen einzugliedern entwickelt wird. Für diese Anwendungen gibt es bereits Heuristiken, die angewandt werden können. Ein simpler Test auf diese Regeln in der Art eine Heuristischen Evaluation ergibt schon die ersten Einblicke.
5 Sekundentest
Auch dieser Test gehört zu den “Quick & Dirty” Tests: Der einfach Blicktest auf bereits erstellte Layouts und Designs. Ich habe hierüber schon berichtet. Auch wenn ich den Begriff “Quick & Dirty” nicht für gut heiße, denn klingt hier das “Dirty” stärker als die Betonung auf Quick.
Probandengruppe
Das Zusammenstellen von Probanden ist kein Hexenwerk. Es können schnell Gruppen von fünf bis sieben Personen gefunden werden, die auf das Zielgruppenprofil passen. Per Fragebogen oder wenn es die räumliche Nähe zulässt, das Erproben durch eine Aufgaben-Ziel-Umgebung, können auch hier wichtige Erkenntnisse gewonnen werden.
Fazit:
Es gibt viele Möglichkeiten, neben dem Königsweg, andere Wege zu beschreiten, um einen Usabilitytest vorzunehmen. Denn jeder Usabilitytest ist besser als keiner. Es muss nicht immer schulbuchmäßig vorgegangen werden. Es sind oftmals kleine Tests eben die Tests, die wichtige Erkenntnisse erbringen, die das Produkt auf einen erfolgreicheren Weg bringen.
Der erste Schritt ist der wichtigste: Das Durchringen zu einem Usabilitytest.

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