Usability – ein zu oft missbrauchter Begriff
Claus Wagner am 28. November 2008 um 22:29
Mit Modewörtern ist das so eine Sache. Sie werden gerne, häufig und jederzeit verwendet. Leider oftmals ohne dass Wissen, was sie eigentlich bedeuten und was dahintersteckt. So ein Begriff, der einfach gut klingt und absolut hipp ist, scheint der Begriff “Usability” zu sein.
In einem Artikel in der Rubrik “Special: Usability” einer “Business” Internet-Zeitung las ich heute einen Artikel, der wieder einmal – leider – bewies, dass Usability ein Trendbegriff zu sein scheint, den man dehnen und strecken kann wie es wohl beliebt.
Eigentlich beginnt der Artikel mit einem schönen Zitat, das man so unterschreiben kann: “… Usability ist … unternehmerische Notwendigkeit”. Diese Einsicht ist hervorragend und wäre bei vielen Unternehmern wünschenswert. Doch was der im Artikel zitierte Unternehmer unter Usability versteht, ist leider nicht ganz das, was es wirklich bedeutet und erweist womöglich der Usability sogar einen Bärendienst.
Er zählt auf, was alles zu seinen Usability-Bemühungen gehört: Ein Feedbackformular für Kundenwünsche, Einbindung sämtlicher Zahlungsvarianten im Shop und sogar die Möglichkeit Produkte auf spezielle Ratenzahlungen zu kaufen.
Die Usability, so der Artikel weiter, käme das Unternehmen teuer zu stehen, denn die Produktion von guten Produktfotos und -videos sei eine teure Angelegenheit.
STOPP: Ist das Usability?
Eigentlich nein. Das ist schlicht und ergreifend Content Creation oder auf deutsch: Inhaltserstellung. Zwar auf sehr hoher qualitativer Ebene und daher wohl besonders kostenintensiv. Aber das ist ein Aufwand, den jeder Website-Betreiber in der einen oder anderen Art betreiben muss. Denn ohne Inhalt nützt die größte Website nichts. Was die Partizipation der Besucher mittels Feedbackformular anbelangt, so ist das vielleicht noch im Bereich der User-Experience zu sehen.
Im besten Falle kann man hier noch von Content-Usability sprechen. Einem besonderen Augenmerk auf die Rezeption, Wahrnehmung von Webinhalten in Form von Text, Bild, Ton und Film. Von diesem Standpunkt aus, kann man von Usability sprechen. Um genauer zu sein eben von der Content Usability.
Aber Usability für sich selbst, ist mit diesem Aufwand nicht zu erreichen. Schöne und besonders qualitative Produktbilder können eine Usability unterstützen, machen diese aber nicht alleine aus.
Drei grundlegende Komponenten einer Website
Ob es ein Online-Shop ist oder ob es sich um eine reine Informationsseite handelt ist irrelevant. Eine Website besteht aus drei grundlegenden Komponenten:
1) Content (Inhalt)
2) Usability (Benutzbarkeit)
3) Ästhetik (Design)
Diese drei Komponenten sind ineinander verzahnt. Doch die Reihenfolge zeigt auch die Wertigkeit. Content ist das Wichtigste, die Usability, die zum Inhalt führt, folgt direkt und dann kommt die Ästhetik ins Spiel.
Usability definiert sich aus: Effektivität, Effizienz und Zufriedenheit - was sich nicht alleine auf die Betrachtung von Bildern bezieht sondern auf einen Gesamtkontext. Nämlich einem Aufgaben-Ziel-Umfeld. Dabei spielen Darstellungen und Inhalte eine gewisse Rolle. Aber nicht die alleinige entscheidende.
Fazit: Die große Gefahr besteht in der Verwaschung und der falschen Darstellung von Fachbegriffen. Und gerade in Feldern wie der Usability ist dies sehr schnell der Fall. Wenn dann noch Äußerungen getätigt werden, wie “…kommt uns unsere Usability ganz schön teuer zu stehen…”, dann wird ein vollkommen falsches Bild gezeichnet.
Gezeigt wird der Auwand, einen Produktkatalog attraktiv zu gestalten. Dass dies Auswirkungen auf die Usability hat, ganz klar. Aber es ist nur ein kleiner Teil. Und die Wahrheit ist eine andere: “Nicht vorhandene Usability kommt Unternehmen teuer zu stehen!”. Denn eine Usability Überprüfung ist nicht allzu teuer, wenn man bedenkt, welche Folgekosten dadurch eingespart werden können.
Aber gerade von einer Branchenzeitung hätte ich einen genaueren Umgang mit Begrifflichkeiten erwartet. So hat der Begriff Usability wieder eine Degradierung zur reinen Wort- und Werbehülse erfahren.

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am 28. November 2008 um 22:40 Uhr.
Besonders nervig ist, dass die Bemühungen des Unternehmers in dem Artikel als bisher nicht erfolgreich dargestellt werden, auch von ihm selbst. Er tut offenbar eine Menge, um eine erfolgreiche Webseite zu kreieren: bemüht sich um Qualität, hat eine Community aufgebaut. Was die Usability-Maßnahmen betrifft, kann man nichts genaues sagen, weil der Artikel da höchst schwammig ist und eben, wie du schreibst, alles durcheinander wirft. Aber die Maßnahmen sind doch nicht unerfolgreich, nur weil sie im Augenblick noch kein Geld abwerfen! Es geht auch um Kundenbindung und Image, um Kundenvertrauen und Service. Wir sind nicht in der Dotcom-Blase.
am 28. November 2008 um 22:44 Uhr.
Das ist ja noch ein anderer Punkt: Dass Inhalte mit “Web 2.0″ betitelt werden und dann im nächsten Satz als Usability-Angebote tituliert werden und denen dann noch bescheinigt wird, dass sie keinen unternehmerischen Erfolg brächten. In der Darstellung würde das heißten: Blogs, Communities und Produktbewertungen sind Mittel zur Usabilitysteigerung… was mit Verlaub gesagt, vollkommener Quark ist…
am 28. November 2008 um 22:51 Uhr.
In der Tat. Das sind, wenns gut läuft, Mittel zur Umsatzsteigerung, zur Kundengewinnung, Kundenbindung, der ganze Marketingkram halt. Wenn die allerdings schlecht umgesetzt sind, nutzt das ganze auch nicht viel. Das hat dann nicht mal viel mit Usability zu tun. Community-Nutzer verzeihen Usability-Fehler, wenn die Community toll ist. Aber das muss man eben auch erst mal erreichen. Ganz schönes Kuddelmuddel in dem Artikel…
am 30. November 2008 um 18:45 Uhr.
Im Artikel werden die Komponenten
1) Content (Inhalt)
2) Usability (Benutzbarkeit)
3) Ästhetik (Design)
aufgeführt und es wird angemerkt. dass diese Liste auch die Wertigkeit darstellt.
Dazu ist mir eine Analogie ausserhalb der Webseiten-Gestaltung eingefallen: Eine Pralinenschachtel. Zunächst einmal ist natürlich der Inhalt wichtig (den möchte man ja verkaufen): Schmackhaft, frisch, Grösse der Pralinen genau richtig, etc.
Dann ist die Benutzbarkeit eine wichtige Komponente. Die Verpackung muss einfach zu öffnen und wieder zu verschliessen sein; die Pralinen müssen einfach entnommen werden können; überflüssiges Verpackungsmaterial ist zu vermeiden; Inhaltsübersicht vorhanden (und auch bei geöffneter Packung lesbar – nicht nur auf Unterseite der Packung).
Und schliesslich die Ästhetik: Sowohl der Inhalt als auch die Verpackung müssen den Kunden ansprechen; Farbwahl, Dimensionen, Bilder, Material, etc.
Nur: Bei der Pralinenschachtel verändert sich wohl die Wertigkeit im Vergleich zu den Webseiten:
Beim Erstkauf:
1) Ästhetik (Design)
2) Content (Inhalt)
3) Usability (Benutzbarkeit)
Beim Folgekauf:
2) Content (Inhalt)
2) Usability (Benutzbarkeit)
3) Ästhetik (Design)
Vielleicht regt dieser kleine Ausflug zu Diskussionen an, ob und welchen Unterschied es
(a) zwischen Webseiten und ‘realen’ Produkten bzgl. dieser Liste gibt, und
(b) ob sich die Wertigkeit nicht bei Erst- ud Folgebesuch verändert.
am 30. November 2008 um 18:50 Uhr.
Danke für die interessante Einlassung: Im Artikel zum ID Symposium 08 “Beauty matters” spielt die Ästhetik noch eine besondere Rolle. Interessant bei der Forschung. Beim Eigenkauf spielt die Ästhetik eine kleine Rolle, beim Kauf für jemanden anderen dagegen ist die Ästhetik ein wichtigerer Faktor.