Sind Anglizismen treffender?
Claus Wagner am 14. Oktober 2007 um 00:24
Die Situation war komisch: Die Diskussion dauerte schon mehrere Tage und schien kein Ende nehmen zu wollen. Es unterhielten sich zwei Web Concepter oder Web Designer über die Bennung von Links für ein Online Forum. Die erste Frage lautete: “Wie nenne ich eigentlich ein Forum auf deutsch? Gibt es das überhaupt?” Dicht gefolgt mit einer heftigen und heißen Diskussion über die Zielgruppe, die denn angesprochen werden sollte. Fazit: Personen unter 30 können mit dem Begriff Forum bedient werden, Personen über 30… tja, dafür fiel ihnen nun auch kein Namen für ein Forum ein, der deutsch wäre.Damit nicht genug: Es ging Schlag auf Schlag weiter. Schließlich kam man zum Schluß, dass die Computertechnik die deutsche Sprache überholt und durch neue Wörter bereichert hätte. Zum Beispiel: Thread, posting, follow up, etc.
Eines sei vorweg geschickt: Ich habe beim besten Willen nichts gegen die Bereicherung einer Sprache durch Lehnwörter. Was wäre denn Deutsch ohne solche Worte wie Flair, Ambiente, Komfortabilität, Datcha oder ähnliches? Bedeutend ärmer, oder?
Aber diese Diskussion hat mich doch beschäftigt. Warum geben sich Web Designer so wenig Mühe den Benutzer von deutschen Webseiten die Navigation zu erleichtern. Ein Forum kann ein Forum sein, es kann aber genauso gut ein Diskussionsforum sein oder schlicht eine Diskussion. Es kommt auf den Fall an. Wie oft verliert eine Anwendung durch die einfallslose Verwendung von Phrasen ihre Attraktivität? Ein Posting ist ein Beitrag. Denn in Diskussionen wird etwas beigetragen. Ein Thread ist ein Diskussionsverlauf oder schlicht ein Verlauf.
Das Argument, welches mir entgegengestellt wurde lautete: “Deutsch ist zu lang und trifft den Kern nicht. Englisch ist viel treffender!” Eine Argumentation, die nur von einem Nicht-Muttersprachler kommen kann. Denn Thread hat im Englischen mehrere Bedeutungen (zB.: auch Kette).
Aber wir haben uns vielleicht schon zu sehr an die Verwendung von Anglizismen gewöhnt und nehmen gerne die falsche Verwendung in Kauf und schwächen somit die eigenen Sprache mehr und mehr . Wie sonst kann es dazu kommen, dass es Wortschöpfungen gibt wie “City Shopping”, “Bodybag” und “Handy”. Ein Muttersprachler würde hier nicht verstehen was sich hinter den Worten verbirgt oder gar etwas anderes herauslesen: So ist bestimmt nicht ein Leichensack gemeint, wenn modische Handtaschen bewordeb werden.
