Automatische Usabilitytests

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Claus Wagner am 11. Mai 2009 um 14:30

Das weltweite Netz reduziert bekanntermaßen Kommunikations- und Transaktionskosten in großem Maß. Dass diese Reduzierungswirkung nun auch auf Usabilitytests angewendet werden, war zu erwarten. Und in den vergangenen Wochen und Monaten las man dann auch vermehrt von Usabilitytest-Automaten: Praktische Webseiten, welche lästige und teure Usabilitytests abnehmen und so kostenreduziert (bis kostenlos) für jedermann möglich machen sollen.

Doch was taugen diese Automaten? Sind sie ein Ersatz für einen konventionellen Usabilitytest?

Usability ist mehr als nur zu fragen, ob alles gefunden wird

Usability ist ein Fachbegriff, der sich einer gewissen modischen Beliebtheit erfreut. So sind auch die Interpretationen recht unterschiedlich und es wird vieles in diesen Begriff gepackt, was darin nichts verloren hat. Usability ist laut Definition der DIN ISO 9241, Teil 11: „Effektivität zur Lösung einer Aufgabe; Effizienz bei der Handhabung eines Systems; Zufriedenheit der Nutzer einer Software.“

Effektivität, Effizenz und Zufriedenheit – das sind die drei Qualitäten, die wiederum die Qualität der Usability ausmachen. Diese gilt es zu überprüfen, um Verbesserungen vornehmen zu können.

Um diese Werte zu prüfen gibt es zahlreiche Methoden und Ansätze:

- Gestaltungsrichtlinie (Guidelines)
- Formal-analytische Verfahren wie Expertenleitfäden und aufgabenanalytische Verfahren
- Inspektionsmethoden wie heuristische Evaluation und Walkthrough Verfahren
- Induktive und deduktive Usabilityy Tests
- Fragebogen
- empirische Vergleichsstudien
- u.v.m.

Es würde jetzt zu weit führen, jedes einzelne zu beschreiben. Doch wichtig ist die Erkenntnis, dass es eben nicht den Usabilitytest gibt, sondern je nach Problemstellung unterschiedliche Methoden gewählt und kombiniert werden müssen.

Sie unterscheiden sich allesamt in Größe und Aufwand und natürlich auch im Resultat. So sind Ergebnisse aus Experten Evaluationen vielleicht andere als die aus einer Probandenstudie…

Die wichtigste Erkenntnis jedoch ist: Usability kann nur in einem Aufgaben-Ziel-Umfeld überprüft und gewertet werden. Das heißt, dass Effektivität, Effizienz und Zufriedenheit anhand einer Aufgabe beziffert werden müssen. Und das vor dem Hintergrund einer definierten oder analysierten Zielgruppe.

Was überprüfen nun Testautomaten?

Sie überprüfen ein Design anhand von Fragestellungen auf einem Prototyp. Diese Fragestellungen und Aufzeichnungen sind aber leider stumm. Zwar wird auf Fragen geantwortet, aber lediglich in einer technischen Form von Klicks, nicht aber in der eigentlichen menschlichen Form, nämlich der Kommunikation. Das Nachdenken, die Beweggründe für seine Aktion bleiben aussen vor und können nicht mehr nachvollzogen werden. Dabei sind genau diese Gedanken, quasi die Gedanken zwischen den Zeilen, die meist wichtigen Erkenntnisse.

Von wem welche Antworten kommen, welche Zielgruppenspezifika berücksichtigt werden müssen, bleiben außer Betracht.

Usabilityautomaten haben m.E. den großen Nachteil, dass sie auf Grund ihrer technischen Möglichkeiten wiederum den Menschen ausschließen. Seine Eigenarten nicht erfassen und in die Beurteilung mit einfließen lassen.

Fazit: Usability hat mit Menschen zu tun, denn genau dieser steht im Mittelpunkt der Betrachtung. An diese Erkenntnisse sind die Anwendungen auszurichten. Automaten setzen die Anwendung in den Mittelpunkt und weniger den Benutzer. Automationen können eine Hilfe bei Usabilitytests darstellen (siehe 5 Sekundentest), aber sie können keinen Usabilitytest ersetzen.

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Ein Kommentar zu “Automatische Usabilitytests”

  1. Jürgen Liechtenecker

    Sowie du schreibst, kann gerade Usability nicht automatisiert ablaufen. Quellcodequalität, Kontraste oder Ähnliches kannst schon Maschinentests überlassen, aber Anspruch und Bedienung geht nur durch den Benutzer selbst.

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