10 Tipps auf die Schnelle: Schreiben fürs Web
Claus Wagner am 25. Februar 2010 um 19:22
Weil ich auf meinen Seminaren immer wieder danach gefragt werde, gibt es heute einen schnellen Überlick über die 10 wichtigsten Tipps „Schreiben fürs Web“. Natürlich ist die Liste nicht vollständig und jeder dieser Tipps kann mit weiteren Tipps angereichert werden.
Aber für einen schnellen Überblick und Erste Hilfe reicht es allemal. Vor allem dann, wenn jemand, der nur fürs Papier schreibt, das Medium wechseln soll. Beispielsweise einen Fachartikel für das Intranet schreiben soll.
Mit diesen Tipps erhöhen Sie mit einfachen Mitteln die Content Usability.
Struktur ist alles: Lineares vs. nonlineares Lesen
Das Web basiert auf Hypertext. Was nichts anderes bedeutet, als dass der lineare Lesefluss, den wir von Büchern, Magazinen und Tageszeitungen her kennen durchbrochen wird. Nich tmehr der Autor bestimmt, in welcher Reihenfolge die Inhalte konsumiert werden, sonden der Leser.
Diese Möglichkeit des Linksetzens sollte auch genutzt werden. Hintergrundinformationen und Details können so mit Schlagwörtern verlinkt werden, die zusätzlichen Inhalt zur Verfügung stellen. Ein siehe unten oder davon später mehr gehören somit der Vergangenheit an.
Aufzählungslisten nutzen
Das Auge des Lesers an Bildschirmen hat eine Angewohnheit: Es liest nicht Buchstaben für Buchstaben. Nicht einmal Wort für Wort. Es streift über den Text und sucht nach Schlagworten, an denen es hängen bleibt. Diesen Vorgang nennt man scannen und skimmen.
Aufzählungslisten in Form von Punkten (Bulletpoints) unterstützen dieses Verhalten und erleichtern das Auffinden.
Also statt viel Prosa dienen sich häufiger Auflistungen an.
Absätze richtig nutzen
Gerade in Fachaufsätzen ist es nicht immer klar, wie die Aufteilung des Textes vorgenommen werden soll. Grundregel: Für jede Idee einen Absatz. Eine Idee, eine These oder ähnliches sollte in einem Absatz abgeschlossen werden. Ist die Idee zu groß, so ergibt sich in der Idee häufig die Aufteilung in Unterideen, die dann den Rhythmus für die Absatzgebung ausmachen
Absätze sollten nicht zu lange sein. Auch wenn die Idee groß ist, muss der Absatz nicht unendlich sein.
Ein einleitender Satz gibt an, was sich im Absatz verbirgt. Kombiniert mit Aufzählungslisten wird so ein Layout erreicht, dass für das Auge erfassbar wird.
Fazit am Anfang
Klingt für erfahrende Papierschreiber paradox. Ist für Webtexte aber ein wichtiger Punkt. Die Zusammenfassung am Anfang des Artikels zeigt dem Leser auf einen Blick, ob er das gefundene Dokument durchlesen kann oder ob sich das Gesuchte womöglich gar nicht im Dokument befindet.
Einfache und klare Sprache
Ein heikles Thema, gerade wenn es darum geht, Fachartikel zu veröffentlichen. Schließlich, so der häufige Einwand, handelt es sich ja um einen Artikel für Fachleute. Ist das so? Dann können Fachworte fallen. Ist man sich nicht sicher oder gibt es auch noch eine andere Leserschaft für den Artikel, so heißt es, die Sprache so einfach wie möglich zu wählen.
Einfach bedeutet:
- prägnante Sätze
- aktive Hauptsätze
- wenig Neben- und Einfügesätze
- einfache Wortwahl
- Erkärung von Fachbegriffen (Nutzen des Hypertextsystems)
Aber Vorsicht: Hier verbirgt sich eine kleine Falle. Eine zu große Vereinfachung des Textes kann gegenteilig wirken.
Zwischenüberschriften
Eine der schwersten Aufgaben eines Redakteurs ist das finden von Überschriften. Doch gerade die Funktion der Zwischenüberschriften ist sehr wichtig. Wählen Sie regelmäßig aussagekräftige Überschriften über Ihren Absätzen. Sie sollten auf den Inhalt des darunter stehenden Textes hinweisen und schon erste Hinweise geben.
Links richtig verwenden
Nicht nur das Verwenden von Verlinkungen ist wichtig. Auch die Wortwahl des Links ist wichtig. Wählen Sie aussagekräftige Worte für Links. Worte, die den Inhalt der aufgerufenen Information schon vor dem Klick beschreiben. Das viel zu häufig verwendete mehr oder weiter sind aussagelos.
Flattersatz
Blocksatz sieht auf Papier einfach aufgeräumter aus. Leichter lesbar, vor allem am Bildschirm, ist aber ein linksbündiger Flattersatz.
Hervorhebungen
Neben Links gibt es noch die Möglichkeit wichtige Worte oder Aussagen hervorzuheben. Nutzen Sie die Möglichkeit und fetten Sie Worte. Das suchende Auge bleibt an diesen Worten eher hängen und findet so schneller, wonach es sucht.
Aber: Vermeiden Sie Unterstreichungen und die Farbe Blau!
Unterstrichene Worte sind mit Links zu verwechseln. Vor allem gilt dies in der Kombination mit der Farbe Blau.
Bilder und Zeichnungen
Ein Lehrer von mir sagte immer: „Hast du von der Lösung keine Spur, mal dir eine Hilfsfigur!“ Und dieser Merksatz bewahrheitet sich gerade im Web. Viele Dinge, die nur schwer oder nur mit vielen Worten zu beschreiben sind, können mit einer Skizze oder einem Bild besser erklärt werden. Informationen werden so schneller transportier.
Aber: Ein Bild sagt auch mehr als 1000 Worte. Daher besonders darauf achten, dass keine aussagelosen Bilder verwendet werden. Nicht immer muss zur Verdeutlichung das berühmte Händeschütteln gezeigt werden.
Tipp: Eine Bildunterschrift kann die Bildaussage unterstützen.
Bisherige Blogbeiträge zum Thema:

am 3. März 2010 um 07:56 Uhr.
Hallo Claus,
danke für die Aufzählung der zehn Punkte. Die Theorie ist jetzt klar, das Umsetzen ist es. Gerade, wenn der Artikel sowohl für Druck als auch fürs Web aufbereitet werden soll, kommen noch erschwerende Umstände hinzu: Die Aussagen müssen die gleichen sein aber der Aufbau wrid anders. Und da reicht eben nicht nur eine Layoutänderung. Und wenn ich den Artikel als Druckversion im Web anbiete, reicht für ein professionelles Auftreten nicht das “@media:print – CSS” aus, sondern es müssen quasi zwei Artikel gepflegt werden.
am 3. März 2010 um 08:41 Uhr.
@jörg: Genau, so ist es. Will man das Beste erreichen, müssen für Print und Web unterschiedliche Texte erstellt und gepflegt werden.
Meist wird aber nicht das Beste angestrebt und so sucht man einen Zwischenweg, eine Schnittmenge, zwischen Aufwand und Leseroptimierung.
Da es sich bei Tipps immer um Anleitungen handelt ist klar. In meinen Seminaren zeige ich aber, wie man diese praktisch umsetzt.
Fazit bleibt: Ein für Papier erstellter Artikel darf nicht – wenn man die Leseroptimierung betrachtet – einfach aus Web gelegt werden. Als PDF bspw. das wieder ausgedruckt werden soll, wohl. Aber als Hypertext muss er geändert werden.
am 30. Juni 2010 um 16:43 Uhr.
Hallo Herr Wagner,
Glückwunsch zum gelungenen Artikel. Genau diese Kriterien prüfen wir mit LinguLab ab. Ich würde mich über einen Review – gerne auch kritisch (wobei ich mir da keine Sorgen mache…) freuen. Kann ich Ihnen Daten für einen Test zukommen lassen?
Beste Grüße
Michael Ballweg