Von Spalten und der Lesbarkeit
Claus Wagner am 15. Juli 2010 um 21:38
Aus der Tagespresse ist man es gewohnt: In Spalten aufgeteilte Texte. 2spaltig, 3spaltig, ja sogar 4spaltige Artikel sollen das Lesen erleichtern. Auf dem Papier. Aber wie sieht es mit der Spaltigkeit von Texten online aus? Ist das Lesen einfacher und schneller, wenn der Text in Spalten aufgeführt wird?
So eindeutig und einfach die Frage erscheint, so schwer ist doch eine umfassende Antwort darauf zu geben. Denn viele Faktoren kommen zusammen. Faktoren, die allesamt die Lesbarkeit beeinflussen.
Untersuchung gibt ersten Ansatzpunkt
J. Ryan Baker hat seine Untersuchungsergebnisse auf den Webseiten der Wichita State University veröffentlicht. Die Probanden lasen eine kurze Geschichte, die in 6 unterschiedlichen Formaten angeboten wurde. Ein-, zwei- oder dreispaltig, jeweils linksbündig oder in Blocksatz gesetzt. Die wichtigsten Erkenntnisse aus dieser Studie sind:
- Längere Zeilen erleichtern grundsätzlich das schnellere Lesen
- Kürzere Zeilen erhöhen das Verständnis.
- Die optimale Zeilenlänge liegt zwischen 45 und 65 Zeichen.
- Die Lesegeschwindigkeit ist bei ein- und mehrspaltigen Layouts gleich – bevorzugt werden jedoch mehrspaltige Texte.
- Linksbündiger Text ist leichter lesbar als Blocksatz.
Das Umfeld ist ausschlaggebend
Doch aus meiner Erfahrung weiß ich, dass man nicht mit generellen Regeln alle Anwendungsmöglichkeiten erschlagen kann. Wichtig ist das Umfeld, in dem der Text steht und vom Anwender aufgenommen werden soll. Ist das gesamte Layout der Website schon mehrspaltig, so wird durch den zusätzlichen Einsatz von mehrspaltigem Text die Lesbarkeit gestört. Nicht zuletzt durch den Umstand, dass die optimale Zeilenlänge von 45 bis 65 Zeichen unterschritten wird. Die bei den kurzen Zeilenlängen notwendigen Wortumbrüche und Lücken tun ihr Übriges zur schlechten Lesbarkeit.
Modern sind dreispaltige Layouts von Websites, wobei der linken Spalte die Navigation zugeschrieben wird, der mittleren Spalte der eigentliche Inhalt der Seite und die rechte wird als Marginalspalte für weitere Informationen genutzt. Somit bleibt die mittlere Spalte für den Text – einspaltig.
Auch die Textlänge ist wichtig: Werden nur Teaser, also kurze Textpassagen angeboten, so ist eine Mehrspaltigkeit kein Problem. Beinhaltet die Seite aber nur einen Text, der sich über mehrere Scrollseiten zieht, ist die Mehrspaltigkeit ein Manko. Denn ist die erste Spalte gelesen, der Leser unten angekommen, muss er den gesamten Weg nach oben scrollen, um in der zweiten Zeile weiterlesen zu können.
Also ist es wichtig, dass ein mehrspaltiges Konzept nur dann sinnvoll ist, wenn der Text auf eine Seite passt, oder aber das Auge des Betrachter den Zeilenumbruch schon erahnen und sehen kann.
Fazit: Festzuhalten bleibt, dass Spaltigkeit den Lesefluss, die Verständlichkeit unterstützen und dem Auge Halt und Übersicht gewähren. Diese Punkte werden vor allem durch den Umstand der überschaubaren Zeilenlänge, des erkennbaren Zeilenumbruchs und der Möglichkeit der Textlängenabschätzung erreicht. Sind diese Punkte nicht gegeben, verliert der in Spalten aufgeteilte Text seine positive Wirkung.

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am 16. Juli 2010 um 05:43 Uhr.
Hallo Claus,
Das Problem liegt doch auch in der Definition, wie groß eine Seite ist. Während es durchaus in Ordnung ist, bei einspaltigen Texten von obe nach unten durchzulesen und dabei die Seite zu “scrollen”, kann ich als Autor oder Webdesigner nicht festlegen, wie lange die Seite beim Leser ist. Zwar sind heute an Rechnern hohe Auflösungen Standard, aber immer mehr nehmen das Mobiltelefon, den Blackberry oder das i-phone, um Webseiten zu besuchen. Und dann gibt es keine Diskussion mehr über einspaltig oder mehrspaltig. Dann muß der Haupttext einspaltig sein.
am 16. Juli 2010 um 08:30 Uhr.
Die Nutzung von Webinhalten durch mobile Endgeräte ist eine besondere Herausforderung, die in vielen Fällen unterschiedliche Herangehensweisen von Layout und Inhalten notwendig macht, da das Rezeptionsverhalten der Nutzer ein anderes ist.
Gerade bei iPhone ist es wichtig, sich bei Seiten, die einszueins so zu sehen sein sollen wie im PC Browser, die oben genannten Regeln einzuhalten. Letztlich durch die Zoomstufen der Ansicht erscheint so ein einheitliches Bild. Kleinere Spalten lassen sich besser heranzommen.
Und hier sehen wir, dass das Abschätzen des Spaltenumbruchs ein wichtiger Faktor ist. Wenn ich durch Zoomfaktoren den Umbruh nicht mehr sehen kann, ist das weitere Lesen (der Lesefluss) gestört und es ist nicht mehr möglich den Text zu rezipieren.