Wann sollte man die Benutzungfreundlichkeit von Inhalten testen?
Claus Wagner am 18. Juli 2010 um 13:26
Die Antwort: Immer! Inhalte sind wichtige Elemente der Benutzerführung und -information. Sie stehen somit an erster Stelle im Kontakt zwischen User Interface und Anwender. Daher ist es wichtig, dass Inhalte ihrer Aufgabe gerecht werden. Ob sie ihre Aufgabe in den Augen der Anwender erfüllen gilt es regelmäßig zu prüfen. Gemäß den Grundsätzen des User Centered Designs, das die regelmäßige Überprüfung und Anpassung im Lebenszyklus einer Anwendung vorsieht.
Klar, diese Antwort erwartet man von jemandem, der Usability Tests anbietet – verdient er letztlich seinen Lebensunterhalt dadurch.
Abgesehen von dieser Argumentation sind weitere Gründe offensichtlich. Usability, User-Experience und auch Content Usability sind Qualitäten, die sich aus der Sicht der Anwender bilden. Ob diese Qualität gut ist oder nicht, kann nur durch Untersuchungen an den Tag gebracht werden. Der iterative Ansatz des User Centered Designs trägt diesem Umstand Rechnung. Die ständige, im Lebenszyklus der Anwendung fest verankerte Überprüfung garantiert das Einfließen lassen der Verbesserungen in das Produkt: Prüfen, verbessern, prüfen, verbessern …
Klare Symptome
Aus meiner Erfahrung weiß ich, dass der Ansatz des User Centered Designs noch lange nicht in allen Unternehmen angekommen ist. Oftmals werden – wenn überhaupt – Usabilitytests nur dann gemacht, wenn etwas offensichtlich nicht funktioniert. Und was da nicht funktioniert gleicht sich von Fall zu Fall: Das Ziel, das die Website erreichen soll, wird nicht erreicht. Es wird zu wenig verkauft, zu wenig angefordert, zu wenig geklickt.
Nun gilt es „die Usability zu verbessern“, auf dass der Anwender sein Ziel besser erreichen kann. Und das geschieht mit den klassischen Usabilitytests. Sie klären anhand von Aufgaben-Ziel-Szenarien mit der anzusprechenden Zielgruppe, ob die Funktionen den Erwartungen der Anwender enstpricht. Ob die Anwender effizient, effektiv und zufriedenstellend an ihr Ziel kommen. Dabei wird genau untersucht, ob Form und Funktion der Zielerreichung zuträglich sind.
Was aber, wenn die Funktionen stimmen, die Form als ästhetisch empfunden wird, sich aber der erwünschte Erfolg nicht einstellt? Woran kann es liegen?
Der klassische Fall kurz umrissen: Produktseiten weißen hohe Klickraten und eine große Anzahl an Ansichten aus. Doch den Weg in den Warenkorb finden die Produkte nicht. Preis, Attraktivität und andere Faktoren sind im Vergleich zu anderen Anbietern abgeklärt worden und können als Misserfolgsfaktoren ausgeschlossen werden. Die Usability Prüfung ergab, dass es keine Problemfelder bei der Bedienung des Shopsystems gibt.
- Hier ist ein klassisches Symptom beschrieben, das auf ein Manko in der Content Usability hinweist.
- Sind die Inhalte benutzungsfreundlich aufbereitet?
- Sind bei der Zielgruppe zu erwartende Motivationen in den Beschreibungen ausreichend berücksichtigt?
- Sind die Inhalte zielgerichtet?
- Unterstützen die Inhalte die Zielerreichung des Anwenders?
Diese – und weitere – Fragen sind Gegenstand eines Content Usability Tests. Mit der geeigneten Überprüfung kann versucht werden, die richtigen Antworten darauf zu finden.
Wenn Anspruch und Wirklichkeit zu weit auseinander liegen
Anderer Fall: Eine gut frequentierte und genutzte Anwendung wird um eine Funktion erweitert. Eine Funktion, die in Kundenbefragungen als wichtig gewertet wurde, von der man weiß, dass sie von der Zielgruppe gefordert wird. Allerdings bleibt die Nutzung der Funktion weit hinter den Erwartungen zurück. Auch hier, ähnlich dem Shopbeispiel, gibt es einen eklatanten Unterschied zwischen den Aufrufzahlen der Funktion und den Klickraten zu den weiterführenden Seiten. Das Interesse scheint vorhanden zu sein, doch die weitere, tiefere Nutzung scheint verwehrt zu sein.
Auch hier zeigen sich oftmals Probleme in der Content Usability. Wird die Funktion richtig erklärt? Steht die Motivation und der Bedarf des Anwenders im Mittelpunkt der Erklärungen? Wird zu sehr aus der Sicht des Anbieters argumentiert und erklärt?
Fazit: Es ist wichtig, die Content Usability neben Usability Überprüfungen in ein User Centered Design Konzept einzubinden und dieses zu leben. Spätestens nach dem Auftreten der ersten Symptome und deren genaueren Untersuchung durch Tests, sollte eine regelmäßige Untersuchung der Inhalte auf Benutzungsfreundlichkeit stattfinden. Letztlich um den sich ständig ändernden Eigenschaften der Zielgruppe gerecht zu werden. Denn diese ändert sich stetig. Sei es in Sprache, Ansprache, Wissen, Motivation …


